Die Domäne Ferme St. Martin ist erheblich jünger als ihre Mauern.
Der Raum, der heute zur Weinherstellung benutzt wird, war ursprünglich einmal eine Kapelle oder kleine Kirche, erbaut im 12. Jahrhundert.Die historischen Unterlagen darüber sind in den Vatikan gebracht worden und aus diesem Grunde heute schwer zugänglich.
Unsere Geschichte, also die des Weingutes, beginnt in den 50er Jahren. Damals hatte die Ferme noch zwei Besitzer. Die beiden jungen Landwirte Aimé und Yvonne Jullien bewirtschafteten die eine Hälfte und kauften im Oktober 1955 die andere Hälfte hinzu.
Zu der Zeit besteht die Anbaufläche der Domäne aus 13 Hektar gemischtem Anbau: 5 Hektar Weinberge und der übrige Teil Oliven- und Obstbäume (Kirschen, Aprikosen). Einen Weinkeller gibt es noch nicht. Im Winter 1956 ist der Januar zunächst unglaublich mild, im Februar fallen die Temperaturen jedoch auf Minus 20 Grad. Der Frost ist eine wahre Katastrophe: kein einziger Olivenbaum überlebt, auch viele Weinstöcke und Aprikosenbäume sind erfroren. Aimé und Yvonne sind völlig verzweifelt.
Aimé, der schon als junger Mann die Weinherstellung gelernt hat und auch schon einige Fässer eigenen Weines produziert hat, will nun alle ehemaligen Obsthaine mit Weinstöcken bepflanzen. Einige Jahre später, 1964, erblickt dann eine kleine Weinkellerei das Licht der Welt. Der Verkauf geht zunächst über das Hörensagen. Ferdinand Degouet, Druckereibesitzer in Paris und ein alter Freund von Aimé (wie auch der erste Kunde) entwirft das Firmenschild der Domäne (Cuvée St. Martin). Viele Jahre lang schleppt er nach seinen Ferien in Suzette die Weine der Domäne im Kofferraum seines Autos nach Hause.
1970 ist das Weingut etabliert und Aimé Jullien erbaut auf der Basis seiner 11 Hektar Weinberge die heutige Weinkellerei. Der Boden von Suzette ist etwas Besonderes; nach und nach entstehen die verschiedenen Abfüllungen wie der Côtes du Ventoux, dann der Côtes du Rhône, und schliesslich, 1978, der Côtes du Rhône Village Beaumes de Venise.
1979 übergibt Aimé Jullien aus gesundheitlichen Gründen den Betrieb seinem Sohn Guy, der gerade mal 20 Jahre alt ist. Allerdings steht ihm Aimé noch über zwanzig Jahre lang zur Seite. Guy Jullien betreibt etwa zehn Jahre lang einen traditionellen Weinanbau, dann aber mehr und mehr, wie schon sein Vater vor ihm, eine Art "natürlichen Anbau" (Bestellen der Weinberge, Bearbeitung auf der Grundlage von bouille bordelaise , Schwefel und organischem Dünger. Schließlich erfüllt er im Jahre 1998 die Anforderungen des ökologischen Weinanbaus.
1981 nimmt Guy zusammen mit seiner Frau Michèle an der 1. großen Weinausstellung der unabhängigen Winzer teil, die in Paris am Quai d'Austerlitz stattfindet. Hier tummeln sich Weinliebhaber, Weinhersteller oder Restaurantbesitzer; viele Jahre lang ist diese Ausstellung überaus beliebt. In dieser Zeit entstehen in Paris viele kleine Weinbars, wie z.B. Les Envierges mit Francois Morel, Le Baratin mit Rachel und Olivier, Les Pipos mit Jean Michel Delhoume, Le Moulin á vins mit Dany. Hier verbringt Guy einige Abende, um mit den Besitzern dieser Bistros und anderen Winzern aus verschiedenen Regionen Frankreichs die Weine zu kosten. Und hier verfestigt sich seine Motivation, natürliche Weine zu produzieren.
1994 entstehen nach einer Vergrößerung des Weinkellers die ersten eigenen Abfüllungen, denen eine Aufteilung der Weinberge nach Art des Bodens zugrunde liegt: in diesem Jahr der "Cuvée du Diapir", 100 % Trias; im Jahr 2000 kommen dann die Abfüllungen "Les Terres Jaunes", ebenfalls Trias, und der "Cuvée Constanci", dessen Reben auf einem Mergel-Boden wachsen.
1999 erweitert das Weingut seine Produktion mit dem Côtes du Ventoux, durch den Ankauf von 3 Hektar Land bei Les Estaillades , in der Gemeinde von Le Barroux. Nach weiteren 5 Jahren, im Jahre 2004, entschließen sich Guy und sein Sohn Thomas (der gerade seine Lehre beendet hat), einen Weinberg bei St.Hippolyte de Graveyron zu erstehen; die Abfüllung " La Gérine " wird ins Leben gerufen.
2006 ist der neue Probierkeller der Domäne fertig, zu gleicher Zeit entsteht auch ein kleiner Empfangssaal, der sich für freundschaftliche Zusammenkünfte eignet. Thomas, der Sohn des Hauses, entschließt sich nach abgeschlossenen Studien des Handels und Weinbaus und mehrmonatigem Aufenthalt auf unterschiedlichen Weingütern definitiv dazu auf dem elterlichen Weingut zu arbeiten.
Das Herz der Julliens ist erfüllt von der Liebe zu dem natürlichen Wein.... neue Ideen werden auftauchen.
Für unseren Aimé.